Weiterführende Informationen zur Hypnose
Geschichte der Hypnose
Unterbewusstsein
Autogenes Training
Kontraindikationen
Showhypnose
Hypnosephänomene
Hypnosestadien
Hypnosephasen
Hypnoseeinleitung
Posthypnotische Suggestion
Ablauf einer Hypnosesitzung
Selbsthypnose
Geschichte der Hypnose
Die Nutzung von Hypnose reicht inzwischen auf eine tausendjährige Tradition zurück. Insbesondere die Nutzung von Trance hat bereits sehr früh Eingang gefunden. Die alten hinduistischen Praktiken der Fakire können bis ins 2. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurückverfolgt werden. Schon ca. 1500 Jahre vor unserer Zeitrechnung wird die Hypnose in Schriften aus dem antiken Ägypten erwähnt. In der Antike bis zum Mittelalter wurde die heilende Wirkung von Hypnose häufig einer übermenschlichen Kraft zugeschrieben. Hypnose erschien mystisch und spirituell.
Im 17. Jahrhundert wurde der Arzt Franz Anton Mesmer dadurch bekannt das er mit seinem "Animalischen-Magnetismus" eine vermeintliche Heilung herbeiführen konnte. In spektakulärem Umfang wurde seine Methode Gegenstand von vielerlei Untersuchungen. Eine Kommission erklärte damals dennoch sein Verfahren für wertlos, da die erzielten Heilungen lediglich das Resultat der menschlichen Vorstellungskraft seien. Diese aber ist nach heutigem Wissen wichtiger Grundsatz für erfolgreiche Hypnose. Ebenso werden heute die Mesmerschen-Streichungen vielfach zur Entspannung und erfolgreich zur Hypnoseeinleitung eingesetzt.
Jean Martin Charcot (1825-1893) wurde bekannt als französischer Psychiater und Hypnotiseur. Berühmtheit erlangte er auch, als er hysterische Anfälle unter Hypnose demonstrierte. Er war der Meinung, dass der Zustand der Hypnose, den Charcot für eine auslösbare künstliche Neurose hielt, nur hysterischen Menschen gelingt. Die Empfänglichkeit für Hypnose wurde von ihm als ein hysterisches Symptom bewertet. Der berühmteste Schüler von Charcot war Siegmund Freud.
In Deutschland entwickelte Johannes Heinrich Schultz (1884 - 1970) das Autogene Training das als eine formelhafte Methode der Selbsthypnose bezeichnet werden kann. Ca. 1950 nahm die Bedeutung der Hypnose im klinischen Bereich der englischsprachigen Länder wieder zu. Der amerikanische Arzt und Psychiater Milton H. Erickson (1901 - 1980) gilt für viele als Vater der modernen Hypnotherapie. Er war maßgeblich an der offiziellen Anerkennung der Hypnose als Therapieform beteiligt. Erickson nutzte meist indirekte Suggestionen für die kooperative Hypnotherapie. Dabei nutze er sehr oft Metaphern die es ermöglichten, indirekt über das Thema und über Lösungswege zu reden. Oft schaffte er, allein durch das Erzählen von Geschichten, dass seine Klienten in Trance gingen und die gewünschten Veränderungen und Heilungen erschienen dann wie Wunder.
Heute sind durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die Verknüpfung verschiedener Hypnoselehren vielfältige Ansätze für Hypnose und Hypnotherapien entstanden.
Unterbewusstsein
Im Zusammenhang mit der Hypnose spielt das Unterbewusstsein (oder 'Unbewusste', UB) eine zentrale Rolle. Unter dem UB versteht man im Zusammenhang mit Hypnose folgendes:
In uns gibt es eine "Instanz", die zahlreiche Dinge für uns regelt. Dies sind zunächst viele Körperfunktionen - Verdauung, Zellneubildung, Regelung der Körpertemperatur, Schweißabsonderung, Blutdruck, Herzfrequenz, Hormonausschüttung und vieles andere mehr.
Darüber hinaus wird dort aber auch all jenes geregelt, was für unser seelisches Empfinden verantwortlich ist. Ob wir z.B. eigentlich unbegründete Ängste entwickeln, Traumata ausleben oder sonstige Beschränkungen aufweisen, wird ursächlich dem Unterbewusstsein zugeschrieben. Hier sitzt auch unser Gedächtnis und im weitesten Sinne unsere "Persönlichkeit", denn ob wir eher ein ruhiger oder etwa aufbrausender Typ sind, wird ebenfalls dort „entschieden“.
Ferner bereitet es sämtliche Informationen auf, die uns bewusst werden. Alle Gedanken oder auch Wahrnehmungen wandern vorher durchs Unterbewusste, werden von diesem ausgesiebt und „zensiert“, bevor sie an unser Bewusstsein gelangen. Das Unterbewusstsein ist damit die zentrale Instanz, die praktisch unser gesamtes Leben bestimmt.
Es heißt aber nicht umsonst “Unter“ -bewusstsein, denn es ist einem direkten, willentlichen Zugriff eben nicht zugänglich. Bittet mich jemand freundlich, doch mal eben die Körpertemperatur um 0,2° zu senken, werde ich ihm den Gefallen nicht tun können, denn ich weiß nicht, wie ich das anstellen soll. Ebenso werde ich die Frage nach dem Kleid, das meine Mutter an meinem 6. Geburtstag trug, sehr wahrscheinlich unbeantwortet lassen müssen.
Der „Trick“ mit der Hypnose ist nun folgender: in Trance ist es nämlich möglich, an das UB „heranzukommen“ und dort tatsächlich auch Änderungen vorzunehmen. So würde das UB beim obigen ersten Beispiel vielleicht die Schweißproduktion verstärken, der Schweiß würde auf der Haut verdunsten und bei diesem Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Zustand der umgebenden Luft und auch dem Körper, Energie in Form von „Verdunstungswärme“ entziehen mit der Folge, dass der Körper stärker gekühlt würde (das ist der Sinn des Schwitzens) und die Körpertemperatur tatsächlich um 0,2° sinkt.
Oder man könnte in Trance eine "Altersregression" (Zurückgehen in der Zeit) vornehmen und den 6. Geburtstag noch einmal erleben lassen. Dann würde dort auch wieder die Mutter in ihrem Kleid auftauchen, das dann beschrieben werden kann (falls die Mutter denn bei besagtem Geburtstag auch tatsächlich anwesend war und ein Kleid trug).
Sinn einer Hypnose ist also, einen Zugang zum UB des Klienten zu verschaffen, um dort – die mit dem Klienten gemeinsam im Vorfeld besprochenen - positiven Veränderungen vornehmen zu können.
Autogenes Training
Oft hört man die Frage: "Welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Hypnose, speziell Selbsthypnose und Autogenem Training AT?"
Die Antwort ergibt sich aus der Geschichte des Autogenen Trainings: J.H. Schultz, der "Erfinder des AT", war ein Arzt, der erfolgreich mit Hypnose arbeitete. Er war von der positiven und heilenden Wirkung, die unter anderem von der während einer Trance auftretenden Entspannung ausging, überzeugt. Und er strebte an, dass seine Patienten sich selbst diese Entspannung in Trance verschaffen können sollten.
Wenngleich es auch nicht sonderlich schwer ist, hypnotisieren zu lernen, ist vor allem für eine "nebenwirkungsfreie" Hypnose auch einiges psychologisches Wissen erforderlich. Um dieses Problem zu umgehen, schuf er in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts das Autogene Training. Dies besteht aus klaren Anweisungen und Regeln, die er den Leuten mitgab, und die dazu führten, dass sich die Leute selbst in Trance versetzen konnten, ohne sich weitergehende Gedanken machen zu müssen oder die psychologischen Hintergründe kennen zu müssen.
Damit ist Autogenes Training "nur" eine besondere Form der Selbsthypnose, geschaffen auch für absolute Laien, die ohne weitergehendes Wissen nur die Anweisungen befolgen brauchen. Es hat heute seinen festen und berechtigten Platz unter anderen Entspannungsmethoden und hat seine gute Wirksamkeit vielfach unter Beweis gestellt.
Später ergänzte Schultz das Autogene Training (wobei heute im Sprachgebrauch meist die so genannte "Grundstufe" desselben verstanden wird) um die Mittelstufe und Oberstufe, die dann schon wieder an die Möglichkeiten der Selbsthypnose heranreichen und neben einer allgemeinen Entspannung verstärkt auch der Persönlichkeitsentwicklung und der Lösung psychischer Probleme dienen sollen.
Kontraindikationen
Bei ungeklärter medizinischer Diagnose sollte keine Hypnose durchgeführt werden! Die vielleicht zunächst erreichte Symptomverbesserung könnte dazu führen, dass eine ernsthafte organische Erkrankung nicht oder zu spät erkannt wird.
Für wen ist die Hypnose außerdem nicht
geeignet?
- Für chronische Skeptiker und Neinsager
- Für Menschen mit einem extremen Kontrollbedürfnis, die jeden Bereich und jeden Aspekt ihres Lebens kontrollieren wollen. Extrem kontrollierende Mensch haben es oft schwer, loszulassen und anderen zu vertrauen. Wenn jemand nicht genügend loslässt, um EINMAL die tiefe Hypnose zu erleben, dann bleibt das Tor zu den enormen Möglichkeiten und Fähigkeiten verschlossen
- Wenn Sie gewohnheitsmäßig gegen alles sind oder wenn Sie sich beweisen wollen, dass Sie ein hoffnungsloser Fall sind, werden Sie wahrscheinlich Recht behalten
- Wenn Sie skeptisch aber offen sind sich überzeugen zu lassen, dann werden Sie erstaunt sein über die positive Wirkung der Hypnose und welche Fähigkeiten sie in Ihnen freisetzen kann
Showhypnose
Hypnose kann einerseits zu medizinischen oder lebensberatenden Zwecken eingesetzt werden, andererseits aber auch zu reinen Demonstrationszwecken. Auch heute, wird die Heilhypnose oft noch mit der Bühnen- Hypnose (Show-Hypnose) in Verbindung gebracht oder mit ihr gleichgesetzt. Dazu trägt insbesondere die starke Medienpräsenz der Showhypnose / Bühnenhypnose bei. Die klassische Hypnose unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von der Showhypnose: Sie zielt darauf ab, den Menschen zu selbstbestimmter, geistiger und körperlicher Gesundheit, sowie zur Entfaltung seiner Kräfte, Fähigkeiten und Gesundheit zu verhelfen. Ziel ist die UNABHÄNGIGKEIT vom Hypnotiseur.
Es handelt sich bei der Bühnenhypnose um eine Show, d. h., es geht darum, das Publikum zu beeindrucken. Um es ganz klar zu sagen, wir lehnen das Durchführen von öffentlichen Hypnosedemonstrationen nicht ab. Im Gegenteil, wenn sie seriös durchgeführt werden, der Information dienen und nicht auf Kosten des Hypnotisierten durchgeführt werden, dann können sie in hohem Maße dazu beitragen, den Wert und die Möglichkeiten der Hypnose insbesondere auch im Rahmen der Medizin und Lebensberatung bekanntzumachen.
Das Wichtigste, das vor JEDER Hypnosesitzung zu tun ist, ist die Aufklärung des Klienten über die oft ängstigenden Fehlvorstellungen.
Hypnosephänomene
Die verborgenen Möglichkeiten im menschlichen Nervensystem sind sehr viel größer, als wir uns das im Allgemeinen vorstellen. Der Mensch kann in der Hypnose seine Muskulatur weit stärker beanspruchen, als dies im Wachzustand möglich wäre. Andererseits kann er sich in der Hypnose in einem Maß entspannen, wie dies bei vollem Bewusstsein nicht erreicht werden kann. In der Hypnose kann die Leistung der Sinnesorgane vorübergehend gesteigert und die Bewegungsabläufe können enorm beschleunigt werden. Auch die Herztätigkeit kann erhöht oder gedämpft werden. Darüber hinaus ist es möglich, die innere Sekretion, die Darmfunktion und die Funktionen der Haut zu beeinflussen.
In welch hohem Maße die Sinne in der Hypnose geschärft werden
können, kann aus folgendem Experiment abgeleitet werden. Ein
bekannter Showhypnotiseur beschreibt folgendes:
Er nahm ein neues Kartenspiel, bei dem die Rückseiten völlig gleich
ausgesehen haben. Er bestimme für sich eine der Karten und notierte
sich Farbe und Wert dieser Karte. Er versetzte dann eine
Versuchsperson in tiefe Hypnose und ließ sie dann die Augen öffnen.
Er zeigte ihre ihr die ausgesuchte Karte (aber nur deren Rückseite)
und suggerierte ihr, dass sei beim nächsten Vorzeigen auf deren
Rückseite ein schwarzes Kreuz sehen würde und die Karte daran
sofort erkennen könne. Er steckte dann die ausgewählte karte ins
Spiel zurück und mischte sie gründlich durch. Dann zeigte er der
Versuchsperson nacheinander alle Karten mit der Rückseite und bat
die Versuchsperson, die Karte mit dem (angeblichen) schwarzen Kreuz
herauszufinden. Die Versuchsperson fand die vorher ausgewählte
Karte heraus. Er wiederholte anschließend diesen Versuch mit
mehreren Versuchspersonen. In fast allen Fällen konnten die
Versuchspersonen die vorher ausgewählten Karte einwandfrei
bestimmen.
Man sieht bei diesem Experiment, dass die Versuchspersonen keineswegs passiv den Anweisungen des Hypnotiseurs gehorchen, sondern ohne besondere Suggestion die zur Lösung der Aufgaben erforderliche Fähigkeiten hervorbringen.
Ein anderes Hypnoseexperiment wurde lückenlos von einem
Ärzteteam beobachtet und das Ergebnis in einem Protokoll
festgehalten. Es handelt sich um die Erzeugung einer Brandblase
durch Suggestion. Es wurde folgendermaßen durchgeführt: Der
Hypnotiseur berührte die Haut der Versuchsperson mit einem kalten
metallischen Gegenstand (also z.B. einer Münze) und gab dabei die
Suggestion, die Münze sei glühend heiß und verbrenne die Haut. Nach
dieser Suggestion beendete man die Hypnose und weckte die
Versuchsperson wieder auf. Schon zwei bis drei Stunden später
zeigte sich genau an der Stelle, die mit der Münze in Berührung
kam, das typische Bild einer Hautverbrennung mit Blase.
Hypnose – Fremdhypnose wie auch Selbsthypnose – wirkt in Bereiche,
die kaum noch fassbar sind. Besonders segensreich kann ihre Wirkung
jedoch bei der Schmerzlinderung sein. Viele schmerzhafte
Operationen sind unter hypnotischer Narkose ausgeführt und
ausführlich beschrieben worden, so dass es bezüglich der
Zuverlässigkeit bei sachgemäßer Ausführung keine Zweifel mehr geben
kann. Es zeigt, dass auch der stärkste Schmerzreiz durch Hypnose
blockiert werden kann. Insbesondere bei dem so genannten
„Phantomschmerz“ ist sie meist der einzige Weg, der Hilfe bringen
kann. Aber auch bei der Beseitigung von Kopfschmerzen und Migräne
ist sie eine große Hilfe, denn der Erfolg bleibt selten aus.
Hypnosestadien
Im normalen Wachzustand ist das Bewusstsein „voll da“ und filtert alle Eindrücke. Nur das was auch tatsächlich „durch soll“, wird vom Unterbewusstsein aufgenommen.
Leichte Hypnose: Hier besteht ein leichter Entspannungszustand, wobei das Bewusstsein jedoch nur ganz leicht eingeschränkt ist. Einfache Suggestionen werden jedoch bereits angenommen und ausgeführt (Wachsuggestion).
Mittlere Hypnose: Die Entspannung hat sich vertieft, Das Bewusstsein ist kaum noch aktiv. Alle Suggestionen, die nicht mit der Persönlichkeitsstruktur des Klienten kollidieren, werden ausgeführt. (Posthypnotische Aufträge sind möglich.)
Tiefe Hypnose: Bei absoluter Entspannung ist das Bewusstsein nun völlig ausgeschaltet. Auch unlogische Suggestionen werden ausgeführt. Nach Aufhebung der Hypnose besteht keine Erinnerung mehr.
Diese Unterteilung in drei Grade der Hypnosetiefe ist seit dem Altertum bekannt und genügt auch heute noch in den meisten Fällen, zumal diese Zustände fließend ineinander übergehen und sich nicht scharf trennen lassen. Nach allgemeinen Erfahrungen erreichen:
Ca. 28 Prozent eine leichte Hypnose,
Ca. 52 Prozent eine mittlere Hypnose,
Ca. 10 Prozent eine tiefe Hypnose,
Ca. 10 Prozent sind nicht hypnotisierbar.
Hypnosephasen
Wenn es schon keinen speziellen Zustand der Hypnose gibt, so kann doch der Vorgang der Hypnose zum besseren Verständnis in sechs Phasen eingeteilt werden.
1. Phase
In der Vorbereitung kommt es darauf an, dass bei dem Klienten die
gewünschte Vorstellung von der Hypnose erzeugt wird und falsche
oder unerwünschte Vorstellungen beseitigt werden. Der Raum sollte
angenehm temperiert sein, leicht abgedunkelt und ruhig. Der Klient
sollte so bequem wie möglich liegen und sollte dazu gebracht
werden, ruhig und gleichmäßig zu atmen und sich weitgehend zu
entspannen. Der Hypnotiseur selbst sollte ebenfalls Ruhe
ausstrahlen.
2. Phase
Dabei ist wichtig, dass sich der Klient mehr und mehr von den
Außenreizen löst und sich ganz locker und passiv auf das Geschehen
konzentriert. Der Klient fixiert einen bestimmten Punkt und achtet
nur auf die Worte des Hypnotiseurs.
3. Phase
Es werden die entsprechenden Suggestionen gegeben. Z.B. „Sie sind
ganz ruhig – nichts ist wichtig. Sie hören nur noch auf meine
Stimme. Ihre Arme und Beine sind ganz locker – ganz gelöst. Sie
atmen ruhig und gleichmäßig. Mit jedem Atemzug sinken Sie tiefer
und tiefer in ein angenehmes Gefühl der Müdigkeit und Schwere.
Einfach treiben lassen – wirken lassen – geschehen lassen. Die
Gedanken verschwimmen – Sie fühlen sich ganz wohl“ (das wird
fortgesetzt, bis die Entspannung eingetreten ist).
4. Phase
In dieser Phase wird nun das eigentliche Ziel der Hypnose mit den
entsprechenden Suggestionen erreicht. Dabei wird auf die besonderen
Umstände des Klienten eingegangen, etwa mit folgenden Worten: „Sie
sind nun völlig gelöst und entspannt – nichts kann Sie stören. Sie
hören nur noch auf meine Stimme. Alles, was ich Ihnen nun sage,
werden Sie strikt befolgen. Jedes meiner Worte prägt sich in Ihrem
Unterbewusstsein unauslöschlich ein. Sie werden danach handeln. Sie
können und wollen nicht anders, Sie werden alles befolgen (hier
folgt die gewünschte Suggestion).
5. Phase
Alle vorher gegebenen Suggestionen werden in dieser Phase durch
ständige Wiederholung in immer neuen Formulierungen vertieft. „Sie
spüren, wie die Wirkung langsam einsetzt. Immer deutlicher spüren
Sie die angenehme Wirkung, die sich mehr und mehr in Ihnen
ausbreitet und immer stärker wird. Diese angenehme Wirkung wird von
Tag zu Tag immer stärker. Es geht Ihnen von Tag zu Tag in jeder
Hinsicht immer besser und besser ……“
6. Phase
Hier kommt es darauf an, dass sämtliche Suggestionen wieder
aufgehoben werden, mit Ausnahme der gewünschten Hauptsuggestion. Es
wird also die Schwere der Arme und Beine und der Augenlider
zurückgenommen und geeignete Gegensuggestionen gegeben. „Sie
spüren, wie die Kraft in ihren Körper zurückkehrt. Arme und Beine
sind wieder ganz locker, leicht und frei beweglich. Sie sind voller
Tatkraft und Energie. Ich zähle gleich bis drei, dann öffnen Sie
die Augen und sind hellwach und voller Aktivität: eins – zwei –
drei.“
Nach Beendigung der Hypnose sollte noch ein paar Minuten mit dem Klienten gesprochen werden. Es wird in Erfahrung gebracht, ob ihn etwas gestört hat, damit bei einer Wiederholung der Hypnose alle unnötigen Störungen vermeiden werden können.
Hypnoseeinleitung
Beisbiele für Techniken zur Einleitung der Ersthypnose
Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten um dem Klienten bei der Ersthypnose in den hypnotischen Zustand zu verhelfen. Um den Vorgang, in die Hypnose zu gleiten zu unterstützen, sollte dem Klienten das erste Mal erklärt werden, welche Technik angewandt wird. Alleine dies führt bei ihm bereits zu einer Erwartungshaltung und somit zu einer leichten Hypnoseeinleitung. Hier nur drei Beispiele:
Technik Nummer 1
Ideal ist, mit der alten Technik den so genannten Mesmerschen
Streichungen zu beginnen. Diese Streichungen werden etwa fünf
Zentimeter über dem liegenden Klienten ausgeführt, ohne dass dieser
berührt wird, und zwar langsam vom Körper zu den Füßen und dann zu
den Armen. An den Fußenden und Fingerspitzen angelangt, werden die
Hände im weiten Bogen wieder zurück zum Kopf geführt. Diese Übung
kann etwa fünf bis zehn Minuten durchgeführt werden. Das führt bei
dem Klienten zu einem starken Gefühl der Müdigkeit, so dass in den
meisten Fällen die Augen auch ohne entsprechende Suggestion
zufallen.
Technik Nummer 2
Eine ebenso alte wie bewährte Methode zur Einleitung der Hypnose
besteht darin, den Klienten z.B. den Zeigefinder in etwa 20
Zentimeter Abstand und etwas über Augenhöhe fixieren zu lassen.
Auch hierbei ermüden die Augen rasch und fallen zu. Wenn sie zu
„flackern“ beginnen, kann man das Schließen der Augen
beschleunigen, indem man den bestimmten Befehl gibt: „Schließen sie
nun Ihre Augen – Ihre Augen sind nun fest geschlossen – Sie können
die Augen nun nicht mehr öffnen.“ In den meisten Fällen sind hier
die Augen schon fest verschlossen.
Technik Nummer 3
Der Klient liegt ganz bequem auf der Couch. Etwas über Augenhöhe
wird ebenfalls irgendein Fixationspunkt hingehalten oder z.B. an
der Decke ist ein schwarzer Punkt angebracht, etwa so groß wie ein
Fünfmarkstück. Der Klienten wird nun gebeten, sich ständig auf
diesen Fixationspunkt oder schwarzen Punkt zu konzentrieren und ihn
anzusehen, möglichst ohne zu blinzeln. Währenddessen wird ständig
verbal die Suggestion gegeben, dass die Augen immer schwerer werden
und er die Augen kaum noch aufhalten kann. Nach spätestens zwei bis
drei Minuten ohne zu blinzeln, verbunden mit der Suggestion werden
die Augen beginnen zu brennen und tränen und er wird immer häufiger
blinzeln. Wenn der Klient die Augen kaum noch aufhalten kann,
werden die Suggestionen verstärkt. Immer schwerer werden Ihre Augen
– immer schwerer. Sie können die Augen kaum noch aufhalten. Gleich
fallen Ihre Augen zu. Ihre Augen sind jetzt so schwer, dass Sie sie
nicht mehr aufhalten können. Jetzt fallen Ihre Augen zu. Ihre Augen
sind fest geschlossen. Eine wunderbare Entspannung durchströmt
Ihren ganzen Körper, und sie geben sich ganz dieser wunderbaren
Entspannung hin. Nichts kann Sie stören.“
Posthypnotische Suggestion
Posthypnotische Suggestionen sind Suggestionen, die dem Unterbewusstsein während der Hypnose gegeben und die nach der Hypnose ausgeführt werden. Manchmal reicht eine einzige Suggestion, aber in der Regel sind mehrere Wiederholungen erforderlich.
Die Wirkung der posthypnotischen Suggestion kann direkt in der Sitzung aktiviert werden, es ist aber auch die Kopplung an ein Schlüsselwort möglich.
Beispiele dafür wären:
- "Sobald Sie den Prüfungsraum betreten, werden Sie ..."
- "Wann immer ich zu Ihnen sage "Schließen Sie die Augen", werden Sie augenblicklich wieder in eine tiefe Hypnose sinken"
Die Wirkung der posthypnotischen Suggestionen kann zeitlich begrenzt werden oder auf eine möglichst lange Dauer ausgerichtet sein.
Wichtig: Alle posthypnotischen Suggestionen müssen im Vorfeld unbedingt mit dem Klienten besprochen worden sein!
Ablauf einer Hypnosesitzung
Es gibt unterschiedliche Ausrichtungen bei der Arbeit mit Hypnose. Und jeder Hypnotiseur oder Hypnosetherapeut wird seinen eigenen Stil haben. Im groben werden die Hypnosesitzungen aber ähnlich ablaufen.
Am Anfang der Sitzung wird sich der Hypnotiseur erkundigen, was der Klient denn überhaupt für sich mit Hilfe der Hypnose verändern möchte - welches Problem hat er, welche Ziele? Und es wird überlegt, ob und in welcher Weise dies mit Hypnose möglich ist. Ferner wird geklärt, ob es vielleicht medizinische Gründe gibt, die gegen eine Hypnose sprechen könnten.
Scheint Hypnose hier zu "passen", wird sich der Hypnotiseur über die Vorgeschichte und aktuelle Situation des Klienten erkundigen, von seiner frühesten Kindheit an bis zu den derzeitigen Lebensumständen.
Sind alle wichtigen "Lebens-Fragen" zunächst geklärt, wird das Thema "Hypnose" näher beleuchtet. Z.B. welche Erwartungen verbindet der Klient mit der Hypnose und welche Fragen hat er dazu? Wenn dann der Klient hinreichend und zufrieden stellend über die Technik der Hypnose unterrichtet ist (und noch Zeit ist), wird vermutlich schon in der ersten Sitzung eine Hypnose stattfinden. Ob dies eine reine "Kennenlernhypnose" (man nennt dies auch "Leerhypnose" und meint damit eine Entspannungs-Hypnose ohne größere therapeutische Absicht) oder schon eine zielorientierte Hypnose sein wird, wird vom Einzelfall abhängen.
Die Hypnose selbst besteht zunächst aus der "Induktion" - das kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Hineinführung": der Klient wird meist mit Worten in den Zustand einer (leichten) Trance geführt. Irgendwelche Hilfsmittel wie Pendel, Farbtafeln usw. sind dabei heute kaum noch üblich, Ausnahmen bestätigen aber die Regel.
Dann kommt die Phase der "Wirksuggestionen". Hier würden bei einer zielorientierten Hypnose Anmerkungen des Hypnotiseurs kommen, die eine erwünschte Änderung beim Klienten begünstigen sollen. Bei einer Leerhypnose würden an dieser Stelle weitere Suggestionen zum "Wohlfühlen" gegeben.
Die dritte Phase ist die der Ausleitung: mit geeigneten Worten wird der Klient wieder auf das "Hier und Jetzt" orientiert, die Trance wird damit vollständig beendet und der Klient ist wieder völlig "klar".
Nun fehlt noch das "Nachgespräch": in diesem fragt der Therapeut, wie der Klient diese Trance empfunden hat, was ihm ggf. besonders gut gefallen hat usw.
Selbsthypnose
Wird die Trance ohne Fremdhilfe induziert, wird von Selbsthypnose bzw. Autohypnose gesprochen. Im Wesentlichen geschieht während einer Selbsthypnose (SH) dasselbe, was auch während einer Fremdhypnose eintritt. Auf körperlicher Ebene kommt es zu einer Beruhigung: Puls- und Atemfrequenzen sinken, die Muskeln werden entspannter, eine Brustatmung verschiebt sich in Richtung Bauchatmung. Manchmal ist das sogar hörbar. Durch die Entspannung des Bauchraumes beginnen mitunter der Magen und die Därme zu "gluckern". Dieses objektive Zeichen kann übrigens auch für "Zweifler" hilfreich sein, die daran feststellen können, dass als Folge ihrer Bemühungen definitiv etwas passiert. Und auch auf geistiger Ebene setzen Veränderungen ein, die inzwischen auch messtechnisch belegt werden können. So zeichnen sich im Gehirn Verschiebungen ab, indem bestimmte Bereiche weniger aktiv werden und andere wieder durch gesteigerte Aktivität nach vorn treten. Man spricht hier auch von einer größeren "rechtshemisphärischen Aktivität" und meint damit, dass tendenziell mehr die rechte Gehirnhälfte (= "Hemisphäre") zum Einsatz kommt, die meist für ein ganzheitliches, allumfassendes Denken und Fühlen zuständig ist, während die linke Gehirnhälfte mehr für Logik und konzentrierte Analyse steht.
Die Vorgehensweise unterscheidet sich kaum von der einer Fremdhypnose. Ob und wie man sich anspricht oder ob man die Suggestionen ausspricht, vor sich hinmurmelt oder nur denkt, hat dabei keinen Einfluss auf die Wirkung. Da die Suggestionen Konstrukte des eigenen Denkens sind, sind diese auch entsprechend gefärbt und von der unmittelbar erlebten Umwelt beeinflusst. So ist es normalerweise schwieriger, erst kürzlich aufgekommene abschweifende Gedanken zu ignorieren.
Bei einer Selbsthypnose werden meist weniger Phänomene wahrgenommen als bei einer Fremdhypnose. Das ist aber mit eigenen Zweifeln begründet, die während der Sitzung aufkommen und so Suggestionen unwirksam werden lassen. Zur Not können die Suggestionen auch auf CD oder Kassette aufgenommen werden. Wer dabei selbst spricht, sollte mit seiner Stimme vertraut sein; sie sollte in jedem Fall nicht als störend empfunden werden. Unabhängig vom Sprecher handelt es sich dann aber um Fremdhypnose und nicht mehr um Selbsthypnose.
Ort und Zeit können als Anker dienen, indem sie für jede Sitzung gleich gewählt werden. Wenn man zu müde ist, schläft man ungewollt schon während der Einleitung ein; das ist nicht weiter problematisch. In diesem Fall sollte ein Zeitpunkt gewählt werden, zu dem man noch nicht müde ist.
Besonders in den ersten Sitzungen ist es schwierig, die Wirkungen der Suggestionen nicht zu bewerten. Jede Bewertung hat Einfluss auf den Gedanken- oder Redefluss. Wenn durch etwaige Bewertungen Zweifel am Wirken aufkommen, gibt man sich ungewollt Gegensuggestionen, die gegebenen Suggestionen werden nichtig. Es ist immer sinnvoll, Erwartungen an die Selbsthypnose zurückzunehmen und besonders zu Beginn mit wenig spektakulären Phänomenen zu arbeiten. Da man sich Dinge nicht nicht-vorstellen kann, sollte eine affirmative und möglichst bildliche Sprache wie auch bei Fremdhypnose und Suggestionen selbstverständlich sein.
Mit zunehmender Erfahrung fällt es leichter, die Trance vom normalen Wachsein zu unterscheiden und man kommt auch schneller in Trance. Erfahrungen mit Meditation oder autogenem Training erweisen sich ebenfalls als hilfreich.
Selbsthypnose ist nicht schwieriger, als von einem Gegenüber hypnotisiert zu werden, obwohl beide Rollen (Hypnotiseur und Hypnotisand) gleichzeitig wahrgenommen werden müssen. Jedoch ist meist keine so tiefe Trance erreichbar, da ein Teil des Bewusstseins mit der äußeren Struktur der Hypnose beschäftigt ist; umgekehrt kann jede Hypnose - bis zu einer gewissen Tiefe - als Selbsthypnose unter Anleitung verstanden werden. In der Selbsthypnose kann der Verlauf der Hypnose und die Auswahl an Suggestionen sehr genau gesteuert werden: Niemand kennt sowohl das, was gerade erlebt wird, als auch eigene Wertvorstellungen und Bedürfnisse besser als man selbst.
Wichtig für den Erfolg bei der Selbsthypnose ist eine gesunde Erwartung: Ähnlich der Hypnose hat auch die Selbsthypnose nichts mit spektakulären Veränderungen oder extremen Bewusstseinszuständen zu tun. Subjektiv mag sich die Selbsthypnose vielleicht nur wie eine leichte Entspannung anfühlen. Deshalb ist es wichtig, sich auf die Zielsetzung in der Selbsthypnose zu konzentrieren ‒ die Wirksamkeit sollte hier im Vordergrund stehen. Als Ausnahme muss hier das Entspannungstraining genannt werden; gerade bei Angstpatienten kann Selbsthypnose hier eine wunderbare Wirksamkeit zeigen.



